Und die Jünger huldigen wieder ihren Göttern

Alle paar Monate bittet Apple wieder zum Kirchentag Event und verkündet die frohe Botschaft. Und auch diesmal sind im September die Jünger wieder zahlreich erschienen und wischen bereits vor Beginn der Veranstaltung eifrig auf ihren Displays.

Auch ich habe das Ereignis im Livestream verfolgt, natürlich standesgemäß auf dem Apple TV 4. So richtige Begeisterung ist bei mir allerdings auch diesmal nicht mehr aufgekommen, und das ist schon längere Zeit so.

Vor etlichen Jahren bin ich beruflich und privat vollständig von Windows auf Mac umgestiegen, seitdem hat das Arbeiten dann wieder deutlich mehr Spaß gemacht, und die nervigen Reboots, Bluescreens und Updates hatten erstmal Pause. Kurz nach Erscheinen des ersten iPhones in 2007 habe ich dann auch da zugeschlagen, hauptsächlich, weil mich die Programmierung der kleinen Technikwunder fasziniert hat. Und so entwickle ich bis heute Apps, allerdings auch für Android.

Bereits vor dem iPhone (und später dann auch iPads) hatte ich bereits einige Organizer (z.B. PalmPilot oder Windows CE-Geräte), habe diese aber nicht wirklich oder nur sehr eingeschränkt genutzt. Das iPhone war damals technisch nicht unbedingt neu, aber definitiv besser und benutzbarer, als die Vorgänger. Und der Touchscreen war damals wirklich neu und spitze, diese Verdienste will ich in keiner Weise schmälern.

Natürlich ist es schwierig, ein eigentlich bereits gutes Produkt noch besser zu machen. Höher, schneller, weiter – das sind die naheliegenden und teilweise dann nur graduellen Verbesserungen. Klar, die Prozessorleistung und Grafikleistung sind massiv gestiegen, und das hat offensichtlich dazu geführt, dass das iPhone heute die führende mobile Spielkonsole ist.

Mit stören nur mittlerweile die Superlative ganz erheblich („best iPhone we ever made – incredible – amazing“). Natürlich ist das nächste Gerät immer besser, oder sagt ein Hersteller: Wir haben’s versucht, aber, hey, leider ist das neue iPhone 23 erstmals schwerer, teurer, langsamer und der Akku hält nur 1 Stunde, das müsst ihr schon verstehen?

Beeindruckt war ich tatsächlich vom Innenleben sowohl des iPhone 7 als auch der neuen drahtlosen AirPod-Knopfhörer, was da an Elektronik und Mikromechanik verbaut ist, scheint wirklich Spitzenleistung zu sein. Aber irgendwie geht mir das zu sehr ins Detail und erinnert mich an die Zahlenschlachten aus früheren Microsoft-Zeiten.

Ich erinnere mich noch an das Wertversprechen aus der ersten iPod-Werbung: „1.000 Lieder in Deiner Jackentasche!“. Die Innenwerte interessieren mich (obwohl ich als Technik-Junkie da durchaus empfänglich bin) nicht wirklich – was kann ich mit dem neuen iPhone/iPad/iWatch/iDings besser, schneller, einfacher, leichter, angenehmer (…) machen, als mit dem früheren? Warum soll ich für mehr als 700 € kaufen oder upgraden?

Das die iWatch 2 jetzt auch GPS hat, ist ganz nett. Dass das iPhone 7+ über zwei Kameras verfügt und so einen echten optischen Zoom hinbekommt und durch massiven Einsatz von Bildverarbeitung ein schönes Bokeh bei Portraitaufnahmen hinbekommt, ist auch toll. Hier habe ich als Hobby-Fotograf sogar tatsächlich eine Phantasie, was mir das bringt, aber warum spricht Apple das nicht viel deutlicher und emotionaler an? Ok, vielleicht kommen die entsprechenden Spots noch. (Und warum sind Canon, Nikon, Olympus nicht auch schon darauf gekommen – in solchen Mehrfach-Kameras steckt sicherlich eine Menge Potential!)

Mir fehlt aber mit dem Wechsel zu Tim Cook ein entscheidender Faktor: die Vision und die Bedeutung für das alltägliche Leben, hier ruht sich Apple auf bisher Erreichtem aus. Das der Hersteller die Technik meisterhaft beherrscht, sehr gute Benutzerinterfaces designt und ein Ökosystem von globaler Bedeutung errichtet hat, steht ausser Frage. Aber was ist das nächste „one more thing“?

Wobei andere Hersteller kaum innovativer sind und es definitiv nicht einfach ist, einer bereits sehr ausgereiften Produktkategorie noch wesentliche Innovationen hinzuzufügen. Die Evolution verlangsamt sich, aber möglicherweise steht demnächst doch eine kambrische Explosion an. Sprachverarbeitung, Machine Learning (Siri & Co., bessere Suchergebnisse), VR-Brillen, Internet of things (vollständige Vernetzung von allem mit allem) könnten dazu beitragen, und dann wird es wieder extrem spannend.

Mein persönliches Fazit: eine Kombi aus iPhone 7+, AirPods, iWatch 2 und vielleicht noch dem iPad Pro ist definitiv reizvoll. Aber ich kaufe dann doch wahrscheinlich ein gebrauchtes iPhone 6. Und alle anderen warten bereits heute auf das iPhone 8, weil Apple ja zum 10jährigen Phone-Jubiläum eine wirkliche Innovation präsentieren wird muss. Mal sehen.

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