Cloud Computing – Die Zukunft des Hostings?
Die Zukunft ist virtuell – auch und gerade bei Internet-Servern.
Anstatt teurer, stromfressender und wartungs-intensiver Server werden Rechenzentren bereits seit geraumer Zeit immer mehr virtualisiert. Hier werden sehr leistungsfähige Rechner in mehrere kleinere virtuelle Instanzen aufgeteilt, die bei Bedarf aktiviert werden können.
Anbieter wie VMWare oder Xen bieten dafür hinlänglich erprobte und stabile Lösungen an. Dieser Trend weitet sich nun – auch das nicht unbedingt neu – auf die Bereitstellung von Internet-Servern aus. Auch hier gibt es bereits seit einiger Zeit bei vielen Providern “Virtuelle Maschinen” zu mieten. Diese sind zwar günstig, bieten jedoch meist eher geringe Prozessor- und Speicherausstattung.
Die Alternative im Business-Hosting ist derzeit die Anmietung von dedizierten Servern bei einem Provider, oder die Aufstellung eigener Hardware in einem Data-Center. Neben teilweise erheblichen Bereitstellungszeiten dürfen dabei die mittelfristigen Kosten für Betrieb und Wartung nicht ausser Acht gelassen werden.
Das Problem beispielsweise für Startup-Firmen ist oftmals, dass der genaue Server-Bedarf nur schwer ermittelt werden kann: Eine kleine Erwähnung des eigenen Angebots in Blogs oder Mainstream-Medien kann eine Traffic-Explosion auslösen – hoffentlich kommt dann der gemietete Server mit! Wird Hardware dagegen präventiv vorgehalten, wird dadurch das Budget unnötig belastet
Amazon als Provider?
Amazons EC2 (Elastic Cloud) bietet nun Server-Power in verschiedenen Leistungsstufen “on demand”, also auf Abruf: Auf Basis einer Vielzahl bereits vorkonfigurierter Linux-Distributionen kann innerhalb von Minuten ein eigener Server angeschaltet werden. Oder nahezu beliebig viele Maschinen hinzugefügt werden, falls Lastspitzen abzudecken sind. Bezahlt wird dabei nur, was wirklich Rechenzeit verbraucht – Anpassungen an tageszeitliche Schwankungen sind somit gar kein Problem. Auch eine Vielzahl von Lastverteilungs- oder Fail-Over-Szenarien sind somit denkbar.
Bisher konnten allerdings nur mit einem gewissen Aufwand Daten auch dauerhaft gespeichert werden. Das bedeutete, dass beispielsweise Datenbanken oder andere Nutzerdaten die Beendigung des EC2-Servers (oder einen Absturz) nicht überlebt haben.
Seit kurzem bietet Amazon aber auch hierfür eine geniale Lösung an: Über den EBS (“Elastic Block Storage”) können virtuelle Festplatten in Sekunden erstellt und in jeden beliebigen EC2-Server eingebunden werden. Die Größe kann dabei zwischen 1GB und 20 TB(!) betragen, bezahlt wird auch hier nur, was benötigt wird.
Um Backups hat man sich ebenfalls Gedanken gemacht: Mit einem Knopfdruck lässt sich ein “Snapshot” der Festplatte erstellen – und ebenso schnell zurücksichern.
Auch das Problem, das jede neue EC2-Instanz eine neue, dynamische IP-Adresse zugewiesen bekam, ist nun gelöst. Über “Elastic IPs” lässt sich eine feste IP-Adresse mit einer beliebigen Instanz verbinden. Mit einer normalen DNS-Zuweisung kann dann jeder beliebige Domain-Name zugeordnet werden. All das lässt sich bequem über ein Firefox-Plugin steuern, ein ganzes Rechenzentrum at your fingertips, sozusagen.
Server-Baukasten
Woher kommen nun die zugrunde liegenden Server-Images?
Sowohl Amazon als auch eine Reihe von Drittanbietern (alestic.com, rBuilder, RightScale) bieten bereits eine Reihe von aktuellen Linux-Distributionen an, ebenso kann jeder halbwegs erfahrene Nutzer eigene Images erzeugen und auch für andere freigeben.
Eine sehr pfiffige Lösung bietet Elastic Server an: Hier können eigene Server-Images im Baukasten-Prinzip zusammengestellt werden! Ein bischen LAMP, erweitert mit einem Tomcat, abgerundet mit einer lauffähigen Rails-Installation? Gar kein Problem – auf Wunsch fix und fertig in EC2 gestartet. Garniert wird dies noch mit einem netten Web-Interface, über das der neu erstellte Server verwaltet werden kann.
Der Nutzen liegt auf der Hand: Test- und Entwicklungsumgebungen sind ohne nennenswerten Zeitaufwand erstellt, gängige OpenSource-Software kann bequem evaluiert werden. Ein Produktivsystem kann in aller Ruhe konfiguriert und getestet werden – und steht dann als Basis für beliebig viele Instanzen zur Verfügung.
Ich denke, der aktuelle Stand des “Cloud Computing” zeigt bereits heute sehr eindrucksvoll die Möglichkeiten des virtuellen und verteilten Hostings auf. Einige Business-Provider müssen sich möglicherweise auf neue Geschäftsmodelle einstellen…
Nachtrag: Ein weiteres Tool zur Verwaltung von EC2+S3 bietet Jollat an.
