Multitasking und Timesharing anno 1999

Ja, es gibt sie noch. Die guten Dinge von gestern, als alles noch besser war. Es noch keine Klickibunti-Oberflächen gab. Und keine „Patchdays“. Und keine Viren. Dafür aber stabile Betriebssysteme. Die einfach funktionier(t)en. Und inhärent sicher sind. Und bereits in den 80er Jahren auf einfachster Hardware (Z80-CPU! 64K RAM!) multiuser- und multitasking-fähig waren. Und auf heutiger Hardware geschwindigkeitsmäßig absolut abheben, bei minimalstem Ressourcenverbrauch.

EUMEL und der Nachfolger L3 sind solche informationstechnische Perlen. Die ProgrammierspracheELAN dient(e) als Haus- und Hofsprache für diese Systeme. Die Sprache aus der ALGOL-Familie wurde als „Schulsprache“ entwickelt und wies bereits damals viele Konzepte moderner Sprachen auf. Durch die Top-down-Programmierung mittels Verfeinerung (refinements) sind ELAN-Programme weitestgehend selbst-dokumentierend.

Meine ersten (ernsthaften, Commodore-BASIC zählt irgendwie nicht) Programmier-Erfahrungen habe ich dann auch an der Uni Bielefeld mit EUMEL-Systemen gemacht. Die standen damals im HRZ frei zur Verfügung, hauptsächlich zur Textverarbeitung.
Bereits in den 90er-Jahren des letzten Jahrtausends entwickelte ich zusammen mit einer Partnerfirma auf Basis des L3-Betriebssystems ein umfangreiches Verwaltungsprogramm für Tierärzte („Pegasus“). Dieses ist – allerdings nur bei einem einzigen Tierarzt – bis heute im Einsatz. In all diesen Jahren gab es keinen einzigen Absturz, keine Probleme mit Viren, keine einzige Neuinstallation. It just works.

Schade, dass L3 & Co. nicht wesentlich weiter entwickelt wurden und kaum noch verbreitet sind (der TÜV Süd betreibt wohl noch einige Verfahren mit hohen Sicherheitsanforderungen auf dieser Basis). Die Programmierung macht wirklich Spass – es funktioniert einfach alles, wie es soll!