Liebe Kopfgeldjäger

Liebe Kopfgeldjäger,

warum bekomme ich eigentlich immer noch so viele Anfragen von euch? Obwohl in meinem XING-Profil und meiner Homepage ziemlich deutlich steht, dass ich nicht im Projekteinsatz vor Ort tätig bin und keine Festanstellung suche.
Lest ihr das wirklich nicht, glaubt ihr mir nicht, oder seid ihr tatsächlich so verzweifelt – man kann es ja mal versuchen? Manchmal glaube ich ja, dass ihr noch nicht mal das Profil lest. Wie wäre es eigentlich, wenn ich mich irgendwo bewerben würde und mal so gar keine Ahnung hätte, was diese Firma macht oder nicht macht?

Und wo wir schon dabei sind: Lernt doch bitte, bitte mal ein klein wenig dazu und wenigstens die gängigen Programmiersprachen zu unterscheiden und macht mal ein realistisches Bild von den Anforderungen. JavaScript hat immer noch nichts mit Java zu tun. Und nur, weil Xamarin C# für die Entwicklung von nativen Apps verwendet, habe ich noch keine produktionsreife Erfahrung in .NET auf Windows! Wenn ihr explizit einen Shopware Spezialisten sucht, warum steht dann ein paar Zeilen weiter unten was von „Tiefgreifende Kenntnisse von Typo3 und OXID eSales nötig“ – denkt ihr wirklich, dass es das alles in einer einzigen Person gibt (und die dann tatsächlich auch noch Zeit & Lust auf den Job hätte)?

Interessiert aber vermutlich alles ohnehin nicht, Hauptsache, die Quote ist erfüllt und die Prämie kassiert. Aber ist es denn dann später im Recruiting-Prozess dem Endkunden auch egal? Ach, was soll’s, der Freelancer bringt es nicht, der Nächste, bitte!

Ganz selten gibt es mal Angebote für Remote-Projekte, die dann aber auf Nachfrage meistens doch keine sind (nach Einarbeitungszeit eventuell, in Absprache, 1 Tag/Woche remote, blabla). Erwartungshaltung gebrochen, Vertrauen verspielt, was soll das?

Und besonders schön: „Wir haben hier einen wichtigen Kunden, der in jedem Fall, und überhaupt, und wie immer sofort und ganz schnell.“. Zunächst aber mal: NDA und Auftragsbedingungen lesen (mindestens 6 Seiten) und unterschreiben (per Fax zurück!). Ich lasse mich also breitschlagen, und telefoniere über eine Stunde mit dem Kunden: „Klingt ja alles prima, können Sie mir dann bitte noch ein Angebot darüber schicken? Ich muss das hier erst intern durchsprechen, ob wir das überhaupt machen.“. Super, danke, lieber Projektverdengler. Schade um meine, Deine, die Zeit des Kunden. Und natürlich ist aus dem Projekt nichts geworden.

Wann fangen mittlere und größere Firmen eigentlich mal an, sich selbst um die passenden und kompetenten Dienstleister zu kümmern? Klar, das setzt ein gewisses Know How und vor allem zeitlichen Einsatz voraus, dürfte sich aber lohnen. Sowohl inhaltlich (weniger Kommunikations- und Reibungsverluste, der wirklich passende Dienstleister für das Projekt) als auch finanziell (Projektvermittler ziehen sich sicherlich zwischen 30 und 50% Marge).

In meinen Augen braucht euch heute niemand mehr, liebe Kopfgeldjäger und Projektvermittler. Sorry. Oder ändert euer Geschäftsmodell, Digitalisierung und #Augenhöhe sind ja gerade ziemlich angesagt. Manche haben das schon begriffen, 4freelance.de beispielsweise.

Um meinen kleinen Rundumschlag abzurunden: meiner Meinung und Erfahrung nach sind alle Projektportale für den deutschsprachigen Raumvollkommen ebenfalls vollkommen überflüssig und zudem überteuert (wie sie alle heißen: freelance, Projektwerk, Twago, freelancermap, Xing und so weiter, die Niedriglöhner-Portale lasse ich mal vollkommen aussen vor), aus Nutzersicht würde genau ein Portal reichen, der Wettbewerb bringt hier keinerlei Mehrwert.

Hier finden sich lediglich mit der Gießkanne gestreut die Angebote der großen Projektvermittler, die dann auf jedem Portal vertreten sind. Aus SEO-Sicht ist das auch vollkommen überflüssig, einmal gefunden zu werden, reicht doch, oder? Direkte Projektangebote von Endkunden, die dann auch noch remote durchgeführt werden können finden sich hier fast nie. Warum eigentlich? In den USA scheint das ein wenig besser zu sein, ist das so ein starker Kulturunterschied in Deutschland? Ist der Kontrollwahn so groß in deutschen Unternehmen, könnt ihr nicht ein wenig vertrauen? Abstimmung und Einbindung in interne Teams ist doch dank Slack, Trello, Videokonferenz & Co. problemlos möglich.

Ganz besonders dreist finde ich auch Geschäftsmodelle, wo (vermeintlich seriöse und wirklich, wirklich umsetzungswillige…) Ausschreibungen dann an 3-5 Nachfrager zum Festpreis verkauft werden, so zwischen 25 und 100 €. Verdienen tut daran nur der Portalbetreiber. Prominente Vertreter sind hier die zahlreichen App Entwickler Verzeichnisse oder irgendwelche Agenturportale.

Liebe Auftraggeber, was ich sehr gerne anbiete: Mit meiner Firma mobix individuelle Software agil, zuverlässig und innovativ entwickeln und zu eurer Wertschöpfung beitragen. Aber bitte in meinem Büro und mit meiner Projektmethodik. So wird das dann für beide Seiten erfolgreich.

Liebe Kopfgeldjäger: bitte keine Anfragen mehr. Nie mehr in diesem Leben. Danke.

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